Wer kommt in Hessen?

Veröffentlicht am 6. Dezember 2007, 18:30 Uhr

Von Till Erdenberger.

Es ist grotesk: Es gibt eine Sache, die macht jeder Mensch, jeden Tag. Die meisten sogar mehrmals. Manche machen es im Stehen, manche im Sitzen und manchmal tut man es auch im Liegen. Freiwillig, unfreiwillig, unwillig – aber immer bereitwillig. Leute lassen sich dabei in der Öffentlichkeit beobachten oder verziehen sich dazu in dunkle Ecken. Frauen tun es mit Frauen, Männer tun es mit Männern und untereinander tut man es sowieso.

Warten gehört manchmal dazu.
Warten gehört manchmal dazu.
(Foto: Flickr/Georgi Mabee)

Man kann die Zeit sinnvoll nutzen oder einfach verschwenden. Mal länger, mal kürzer, mal geplant, mal ungeplant. Man kann dabei essen, trinken, lesen, fernsehen, schlafen, Zeitung lesen, reden, schweigen, träumen, singen, tanzen, lernen und sogar sein Geld für sich arbeiten lassen. Vorzüge, die kaum ein anderer Vorgang auf sich vereint. Oder meinen Sie nicht, dass das doch echt was ist?

Und trotzdem: Kennen Sie jemanden, der gerne auf etwas wartet? Wenn, würde er sich sicher nicht zu erkennen geben, oder? Der polnische Essayist und Philosoph Stanislaw Lem hat in seiner fiktiven Rezension „Eine Minute der Menschheit“ über 100 Seiten ausgebreitet, was weltweit in einer Minute statistisch gesehen passiert. Also auch in jeder Minute, die Sie verwarten. Eine beunruhigende Vorstellung, bei Karstadt in der Schlange zu stehen und sich daran zu erinnern, dass in eben jenen 60 Sekunden weltweit fast ein Mensch von einer Waschmittelvergiftung dahin gerafft wird. Verschwendete Lebenszeit?

Geschichte und Literatur halten dafür einige populäre Warter parat. Samuel Beckett ließ Wladimir, Pozzo und Estragon auf Godot warten. Der kam dann überhaupt nicht. An den Thermopylen igelten sich die Griechen ein und warteten auf das überlegene Perserheer. Die kamen. Nelson Mandela musste 27 Jahre im Gefängnis sitzen, bevor er die Apartheid in Südafrika überwinden konnte. Und wie man es auch dreht und wendet: Ein gutes Pils kriegt man auch nicht unter sieben Minuten! Die Bundesrepublik lechzte sogar 56 Jahre nach einer Frau an ihrer Spitze. Die kam dann schließlich noch in Gestalt eines ost-deutschen Mädchens daher. Und was passiert all den Estragons und Pozzos und Wladimirs zwischen Darmstadt und Kassel? Nur noch zwei Monate warten… Auf die Landtagswahl. Aber wer kommt? Irgendeiner muss ja…


2 Kommentare/Trackbacks zu 'Wer kommt in Hessen?'

Kommentare per RSS abonnieren oder Trackback erstellen

Trackbacks/Pingbacks

  1. Pingback von Journalismus-Darmstadt.de » Blog Archive » Kreuzchen (X) - am 12. Dezember 2007 um 10:57 Uhr

  2. Pingback von Kreuzchen lesen « Das Textdepot - am 12. Dezember 2007 um 21:38 Uhr

Diesen Beitrag kommentieren:

Sie müssen eingeloggt sein um einen Kommentar zu posten.



© Landtagswahlkampf-Blog Kreuzchen 2007