Die Piraten: Auf zur Kaperfahrt in den Landtag
Veröffentlicht am 20. Dezember 2007, 22:10 Uhr
Von Katja Eisert und Susi Wegner.
Beim öffentlichen Plenum am letzten Mittwoch im Club Voltaire in Frankfurt ging es bei der Piratenpartei rund um den Wahlkampf. Die Seeräuber konnten durch „viel Glück und harte Arbeit“ mit mehr als 1.000 Unterschriften im Wahlhafen vor Anker gehen. Nun bereiten sie sich auf die Schlacht um den hessischen Landtag vor. Ihre Devise: „Klarmachen zum Ändern!“ So debattierten die Anwesenden euphorisch über Plakate, Flyer und Infostände, mit denen sie aus dem üblichen Rahmen fallen wollen. Einer der Sprüche auf den modularen Plakaten, die bald auf Hessens Straßen zu begutachten sind: „Root$: apt-get remove Koch“. Ein Slogan vor allem für die Zielgruppe der Piraten – den Informatikern und Linuxfans.
Nicole und Simon mit dem Vorschlag für ein Wahlplakat (Foto: Kreuzchen)
Doch wer sind die Piraten überhaupt? Entstanden aus einer Internetbewegung hissen die Seeräuber seit September 2006 als Bundespartei die Segel, seit Februar 2007 fahren sie auch auf hessischen Gewässern. Auf internationaler Ebene sind die Piraten schon länger vertreten. Ihre Wurzeln liegen in der schwedischen „Piratpartiet“, die bereits Januar 2006 gegründet wurde. Andere Länder wie Spanien oder Österreich gründeten ebenfalls Parteien nach dem schwedischen Vorbild. Den Parteinamen betrachten sie als reine Ironie, da sie sich unter anderem für das Recht auf Privatkopien einsetzen – eine Anspielung auf die von der Film- und Musikindustrie ungeliebten Raubkopierer und Piraten.
Volle Kraft voraus heißt es derzeit für die Partei mit ihrem offiziellen Wahlprogramm. Mit Hochdruck arbeitet sie an der Veröffentlichung. Die Kaperfahrer wollen sich gegen die staatliche Überwachung der Bürger einsetzen, für informationelle Selbstbestimmung kämpfen und Online-Durchsuchungen ablehnen. Aber auch Themen wie Bildungs- und Hochschulpolitik sind im Wahlprogramm zu finden.
Gegründet wurde die hessische Piratenpartei im Club Voltaire, wo auch heute noch der Einfluss des französischen Philosophen der Aufklärung allgegenwärtig zu sein scheint.
Angeführt wird die Sitzung von Thorsten Wirth, der Spitzenkandidat und „Depp vom Dienst“. Seine rechte Hand ist Protokollführerin Nicole Hornung, die von sich selbst sagt, dass sie ihre politische Heimat bei den Piraten gefunden hat. Auf der Landesliste zu finden sind neben den kreativen Köpfen Simon Klages und Stefan Hermes auch das Ehepaar Dambier: Schatzmeisterin Karin und „ihr Generalsekretär“ Peter. Ebenso Dirk Roth und Jürgen Erkmann.
Sie und die anderen Mitglieder wollen sich für die freie Internetkultur einsetzen, aus – wie sie sagen – fester Überzeugung und eigenem Interesse, vom Staat nicht zum gläsernen Bürger gemacht zu werden. Heimliche Online-Durchsuchungen sind nicht nur bei den Piraten ein Thema. FDP und CDU Hessen äußerten sich lautstark dazu, kürzlich auch die SPD: Jedoch für die Ausspähung von Computern per Internet, um die innere Sicherheit des Landes zu gewährleisten. Allen voran Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Wenn es nach ihm ginge, würde diese Forderung sogar im Grundgesetz verankert (Verfassungsänderung des Artikels 13 GG: Unverletzlichkeit der Wohnung).
Thorsten Wirth – Anführer der illustren Runde (Foto: Kreuzchen)
Das Wahlkampfbudget ist an diesem Abend schnell verbraten. 2.250 Plakate und 1.000 Plakatträger sind besonders gefrässig. Und die Piraten sind schließlich keine CDU, die weitaus mehr als 1.000 Euro über Bord werfen können, um „freie Wählerstimmen zu kapern“. Den Seeräubern fehlen noch die entsprechenden Förderer, um sich für die Landtagswahlen bis auf die Zähne zu bewaffnen. Bei der jungen Partei stehen die Türen für alle Interessierten offen – sie treffen sich jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat im Club Voltaire.





# 1 |
Daniel Reckling sagte am 21. Dezember 2007 um 07:06 Uhr:Die PIRATEN sind inhaltlich und menschlich sicher ne unterstützenswerte Gruppe. „deluser Koch“ u.ä. gefällt mir. Nur schade: Die Partei wird die 5% sicher nie knacken und damit hilft jede Stimme der PIRATEN Partei am meisten Koch, weil sie nicht auf politische Konkurrenten im Landtag entfällt…
# 2 |
Walter Alter sagte am 21. Dezember 2007 um 14:55 Uhr:Mit der Einstellung wirst du nie was ändern
Meine Stimme ist ihnen sicher! Sie sind meiner Meinung nach die einzige glaubwürdige Alternative zurzeit.
# 3 |
Christian sagte am 21. Dezember 2007 um 15:16 Uhr:Daniel, das ist sowas von falsch diese Einstellung… Du solltest nicht das geringte Übel wählen sondern das, was dir am besten liegt. Wenn endlich mal alle so denken würden, dann würden nicht Schwarz-Rot-Gelb-Grün immer um die Mehrheiten herum pendeln, sondern es könnte sich endlich mal etwas verändern.
Es gibt auch noch ein rein monetäres Argument. Ab einer gewissen Prozentzahl Stimmen bekommt eine Partei eine Wahlkampfkostenerstattung. Und diese Zahl ist deutlich
# 5 |
Daniel Reckling sagte am 22. Dezember 2007 um 10:05 Uhr:Innerhalb der jetzigen Landtagsfraktionen gibt es für mich Wahlmöglichkeiten, die ich nicht als das geringste Übel, sondern vielmehr als bestmögliche Wahl gegen Koch bezeichne. Ich finde, wir brauchen nicht mehr Parteien, sondern wieder mehr Menschen, die sich politisch interessieren und engagieren. Ich finde es sinnvoller und zielführender, innerhalb etablierter Parteien für Mehrheiten und Positionen zu kämpfen, als mit neuen Nischen-Parteien anzutreten.
# 7 |
Johannes Freund sagte am 5. Januar 2008 um 18:53 Uhr:Ich kann Daniel durchaus verstehen, die Piratenpartei ist für mich auch ganz klar eine Alternative, doch ich bin auch wie er noch am schwanken zwischen der „taktischen Wahl“ gegen die „Kochschmerzen“ und der Unterstützung einer Nieschen-Partei.
# 8 |
MatthyK sagte am 11. Januar 2008 um 01:03 Uhr:Um politisch etwas zu bewirken, ist es nicht unbedingt nötig, die 5%-Hürde zu knacken. Jeder, der für die Piratenpartei stimmt, zeigt, dass das dieThematik Bürgerrechte- und Freiheiten für einen selbst wahlentscheidend ist. Mit jeder dieser Stimmen steigt auch der Druck auf die anderen Parteien, ihre eigene Position dazu zu überdenken.
# 9 |
Andreas K. sagte am 14. Januar 2008 um 00:05 Uhr:Das die Piratenpartei in der FR im Kuriosen Kabinett gelandet sind empfinde ich als Frechheit. Ihr Engagement und ihre Ambitionen machen auf mich einen seriösen Eindruck, nicht der der FR.
Die neuen Parteien so zu klassifizieren hat für mich auch etwas unlauteres, verzerrendes.
Wenn eine neue Partei sich formiert stehen dahinter auch Menschen die ein Anliegen haben welches man durchaus erstmal respektieren kann. Ihre Berichterstattung in ehren, ihre Klassifizierung nicht.
# 10 |
Susanne Wegner sagte am 14. Januar 2008 um 18:25 Uhr:Dass wir die Piraten in das Ressort >Kurioses< eingeordnet haben, soll ihr Engagement keinenfalls schmälern oder gar verzerren. Weder das Engagement der Partei an sich, noch das jeder einzelnen Person, die dahintersteht.
Das gilt im Übrigen für jede Partei oder engagierte Person, die bislang in unser Ressort gefunden haben und noch finden werden.
Wir, das sind Studenten der Hochschule Darmstadt, die eine ganz subjektive Sicht auf den Wahlkampf werfen. >Kurios< ist für uns im positiven Sinne "das nicht Alltägliche", "das aus dem üblichen Rahmen fallende", das "Andersdenkende" - und das trifft in unseren Augen auf die Piraten voll und ganz zu. So wollen sie gesehen werden, so werben sie für sich auf ihren Werbeplakaten.