Das bisschen Wahlkampf macht sich von allein‘ … oder?!

Veröffentlicht am 13. Januar 2008, 23:11 Uhr

Von Meike Mittmeyer.

 Das Plakatieren erfolgt durch viele fleißige Hände, aber nach strengen Regeln.
Das Plakatieren erfolgt durch viele fleißige Hände, aber nach strengen Regeln.
(Bild: Rote Flora Hamburg)

Ohne viele ehrenamtliche Helfer wäre ein Wahlkampf gar nicht möglich, doch es gibt immer mehr Arbeit für immer weniger helfende Hände.

Eine schöne, einfache Welt ist das. Sobald die Wahl in greifbare Nähe rückt, schießen Parteiplakate wie Pilze aus dem Boden, Flyer segeln federleicht in die Briefkästen, und auf der Straße ergattern wir manch nützliches Give-away wie Kugelschreiber, Parkscheiben oder Taschenkalender. Geschenkt ist immerhin geschenkt!
Damit können sie sich profilieren und feiern lassen, diese Kandidaten der Wahlkreise, ganz zu schweigen von den Landes-Spitzenkandidaten der Parteien. Dass hinter dieser Wahlkampfarbeit eine ganze Menge ehrenamtliche Arbeitskraft und ein Haufen Geld stecken, gerät dabei gerne in Vergessenheit.

 Erst beschmiert, dann zerissen. Wahlplakate werden oft Opfer von Vandalismus.
Erst beschmiert, dann zerrissen. Wahlplakate werden oft Opfer von Vandalismus.
(Foto: Kreuzchen)

Die Plakate der Parteien hängen seit ein paar Wochen, und schon zeigt sich uns ein Bild wie vor jeder Wahl: Den Kandidaten wurden mit einem Edding ein hübscher Bart oder eine dicke Brille verpasst, andere Plakate waren komplett dem rauen Wetter oder mutwilliger Zerstörung zum Opfer gefallen. Und die Zeitungen berichten über Räuber, die in Nacht-und-Nebel-Aktionen die Plakate etlicher Parteien samt Plakatständer gleich ganz mitnehmen.
Und was passiert? Verschmierte oder kaputte Plakate werden überklebt und die fehlenden Ständer ausgetauscht. Es ist, als würden die kleinen Heinzelmännchen losziehen und Ordnung schaffen, während alle anderen schlafen.

Lange wird das verschandelte Wahlplakat nicht zu sehen sein, dank gut organisierter Wahlkampftrupps.
Lange wird das verschandelte Wahlplakat nicht zu sehen sein, dank gut organisierter Wahlkampftrupps.
(Foto: Kreuzchen/Susi Wegner)

Manchmal werden Wahlplakate auch mit durchdachten Sprüchen „verunstaltet“.
Manchmal werden Wahlplakate auch mit durchdachten Sprüchen „verunstaltet“.
(Foto: Flickr/Telegehirn)

Die Menschen, die ausschwärmen, um Plakate und Flyer zu verteilen oder an Infoständen Prospekte und Give-aways unter die Leute zu bringen, sind keine hochbezahlten Berufspolitiker. Obwohl die Bilder in den Medien oft ein ganz anderes Bild zum Wahlkampfauftakt zeigen. Aber das weiß ja jeder. Nur darüber nachdenken, wer sich hinter diesen Aktionen wirklich versteckt, scheint auch keiner. Man könnte sie die Fädenzieher nennen, denn ohne sie läuft nichts. Sie stehen außerhalb des Glanzes der schillernden Persönlichkeiten, für die sie sich einsetzen. Und das Werbematerial, das sie verteilen, haben sie zum Teil sogar aus eigener Tasche finanziert.

Denn die kleinsten Gliederungseinheiten politischer Parteien, die Ortsvereine, werden im Wahlkampf in die Pflicht genommen, ihren Wahlkreiskandidaten mit ganzer Kraft zu unterstützen, weil der Kandidat auf ihre Hilfe angewiesen ist. Auch der Kandidat oder die Kandidatin selbst ist meist (zumindest, wenn er oder sie bisher noch kein Landtagsabgeordneter war) ein ganz normaler Mensch mit einem ganz normalen Job, der seinen Wahlkampf größtenteils selbst organisieren muss. Da ist ein funktionierendes Wahlkampfteam unverzichtbar. Und die Leute dafür werden aus den Ortsvereinen rekrutiert. Professionelle Fotos für Plakate und Flyer, Ausarbeitung und Druck von Broschüren und Give-aways, gute Ideen für Wahlkampfveranstaltungen und Aktionen – das alles kostet viel Zeit und Geld. Natürlich trägt die Partei die Kosten, aber wer ist schon die Partei? „Die Partei“ hat kein Gesicht! Die Partei, das sind die Bezirke und Unterbezirke, das sind die unzähligen Ortsvereine, und das ist im Endeffekt jedes einzelne Ortsvereinsmitglied an der sogenannten Basis.

Ortsvereine leben von den Mitgliedsbeiträgen ihrer Genossen, einigen wenigen Spenden und dem, was sie bei Kuchenverkäufen oder Ähnlichem auf Dorf- und Stadtteilfesten erwirtschaften. Das Budget einiger vor allem kleiner Vereine ist knapp bemessen. Da kann so ein richtiger Wahlkampf schon mal ein großes Loch in die kleine Kasse reißen. Kaum verwunderlich also, dass mit Wahlkampfmaterial sparsam und wie mit Heiligtümern umgegangen werden muss. Mit jedem verschandelten und heruntergerissenen Plakat wird bares Geld zum Fenster hinaus geworfen.

Alle relevanten Parteien haben mit Mitgliederschwund zu kämpfen, es mangelt vor allem an Nachwuchs. Es ist heute keine Seltenheit mehr, wenn das jüngste Mitglied eines Ortsvereins die 35 schon längst hinter sich gelassen hat. Das heißt, dass an immer weniger Menschen die Arbeit hängen bleibt, die früher von ganzen Scharen erledigt werden konnte. Die Arbeit ist nicht weniger geworden, die willigen Helfer jedoch leider schon. Fakt ist, dass viele Ortsvereine mit den hohen Anforderungen, die solch ein großer Wahlkampf an sie stellt, schlichtweg überfordert sind. Mitleid brauchen wir mit ihnen dennoch nicht zu haben, denn schließlich haben sie sich freiwillig für die Parteimitgliedschaft entschieden und haben jederzeit die Möglichkeit, auszutreten. Aber die, die es eben nicht tun und weitermachen, gehen in dem ganzen Wahltrubel schnell unter. Dabei wäre es eine traurige Wahllandschaft ohne sie – keine bunten Plakate an jeder Straßenecke, keine SPD-Eiskratzer, CDU-Lollys und FDP-Bleistifte. Jeder noch so starke Spitzenkandidat sähe ganz schon alt aus ohne die mindestens genauso starke Mannschaft, die hinter ihm steht.

Ein Kommentar/Trackback zu 'Das bisschen Wahlkampf macht sich von allein‘ … oder?!'

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  1. # 1 | 

    Onlinedruckerei sagte am 23. Februar 2008 um 17:51 Uhr:

    Lasst einmal die Plakate in frieden :)

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