Das Resümee der Kreuzchen-Redaktion
Veröffentlicht am 3. Februar 2008, 13:23 Uhr
Von Charlotte-Jacqueline Malm.
Mit Kreuzchen geht´s zu Ende.
Die Wahl ist Vergangenheit, der Januar ist vorbei und unsere Arbeit ist getan.
Es wird noch dauern, bis die Politiker es geschafft haben, ihre starren Positionen aufzugeben und den Konsens des kleinsten gemeinsamen Nenners zu finden. Vielleicht gibt es aber auch eine echte Überraschung: Der Wählerwille wird doch erhört, verkrustete Feindbilder werden vergessen und es wird eine Regierung gebildet, die am ehesten den Vorstellungen des Wahlvolks entspricht. Die Kreuzchen-Redakteure warten verhalten gespannt ab und ziehen Bilanz.
Für uns Redakteure war es die erste Zusammenarbeit in einem Gruppen-Blog und das erste Hochschulprojekt unter populärer Flagge.
In acht Wochen haben wir 86 Beiträge veröffentlicht, darunter acht Artikel mit Video- und zwei mit Audiostreams. Bis zu 2.000 Besucher am Tag haben Kreuzchen gelesen und 233 mal kommentiert. Wir wurden verlinkt, gelobt, korrigiert, kritisiert und diffamiert – aber haben uns über jedes einzelne Feedback sehr gefreut.
(Video: Kreuzchen/Michael Abele, Christian Schlüter)
Sachen, die wir gelernt haben in unserer Kreuzchen-Zeit:
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Traue niemals deinen müden Augen.
Wenn man bei Live-Blogging in der Centralstation dank schlechter Sicht auf Leinwand die erste Hochrechnung kaum erkennt und nur sieht, dass der rote und der schwarze Balken gleichgroß sind, nicht aber genaue Prozentzahlen, sollte man nicht verkünden, dass die CDU vorne liegt. Wir haben es aber auch nach einer halben Minute schon korrigiert.
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Junge Politiker haben’s nicht immer so mit Journalisten.
Man kann von jungen Politikern, speziell von Juristen, nicht erwarten, dass sie sich mit den gängigen journalistischen Praktiken auskennen. Denn nein, bei Interviews muss nicht wörtlich zitiert werden, solange der Sinn nicht entstellt wird. Schließlich müssen wir Journalisten die trockenen und unverständlichen Aussagen der Kandidaten auch für den Otto-Normalleser verständlich übersetzen. Und ja, gekürzt werden darf auch ohne Autorisierung. Eine Spezialbehandlung abseits jeder Gepflogenheit kriegt man erst ab einer bestimmten Relevanz, da sprechen wir uns in zehn Jahren noch mal.
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Der SPD-Generalsekretär besitzt außergewöhnliche Menschenkenntnis.
Auch mit Landtagsausweis, im Anzug und mit dicker Kamera kann es einem passieren, dass der SPD-Generalsekretär im Vorbeigehen freundlich fragt: „Na, noch ein Schülerprojekt?“. Danke auch. Zu seinem Glück ist die Zeit des Wahlkampfs vorbei. Zum unserem Glück war dies das erste und einzige Mal, dass wir aufgrund unseres „jugendlichen Äußeren“ nicht für voll genommen wurden.
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Kameraleute und Tonmänner sind ein ruppiges Volk.
Das konnte der ZDF-Volontär am eigenen Leib erfahren, als er kurz vor Vollkündung des offiziellen Endergebnisses sich vor die Kollegen vom HR drängen wollte. Dazu muss man wissen, dass alle Filmteams kleine Leitern und Hocker mitschleppen damit der Kameramann sich über die Meute der Kollegen erheben kann und die bessere Perspektive zum Filmen hat. Das Jung-Team des ZDFs hatte dafür eine Getränkekiste dabei, diese stellte der Kameraassistent erst uns vor die Linse und nach deutlichem Protest ein Stück weiter nach rechts. Pech für ihn, das da der Tonmann des hessischen Rundfunks seine Mikrofon-Angel Richtung Rednerpult strecken wollte. Nach kurzer, heftiger Diskussion und Androhung von körperlicher Gewalt verzog sich der ZDFler kleinlaut. Wir waren erstaunt über die ausgeprägte Kollegialität zwischen den ÖR-Sendern und freuten uns über unseren gesicherten Platz in der Meute.
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Größere Videokamera – größere Probleme.
Unsere Hochschule stellt uns wirklich sehr hochwertiges und aktuelles Technik-Equipment zu Verfügung, da kann man nicht meckern. Nur mit der Bedienung hapert es manchmal noch, nicht jeder von uns ist zum Fernsehjournalisten geboren.
(Video: Kreuzchen/Bastian Ewald, Wolfgang Denzler)
Übrigens, die Szene zeigt uns im Kreuzchen-Pressebüro am Wahlabend im Landtag.
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Die CDU-Fraktion baut nichts ahnenden Journalisten gerne Fallen.
Wer den fliegenden Wechsel von den Räumen der Unionsfraktion in Richtung SPD-Genossen machen will und dabei treudoof den Wegweisern folgt, kann sich gehörig verlaufen. Einmal falsch abgebogen und schon ist man in den winkeligen Gängen der CDU-Fraktion gefangen, rechts Adenauer, links Kohl und wo gehts raus? Der Lift scheint die Rettung, entpuppt sich aber als Falle. Denn zusammen mit den Kollegen vom ZDF sitzt man in der Kabine und der Aufzug bewegt sich plötzlich kein Stück mehr. Wenn das mal kein Anschlag auf die Pressefreiheit ist. Kurz bevor die lockeren Sprüche in ernsthafte Panik umschlagen, ruckt der Aufzug, und es weiter.
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Immer mit einem Finger am Abzug sein.
Ein Journalist sollte stets gut ausgestattet sein – nicht nur mit einem geschickten Mundwerk, sondern auch mit einer Foto-Kamera. Denn man kann nie wissen, wer oder was einem über den Weg läuft: Erststimmen-Kandidaten auf dem Main, verwahrloste Wahlplakate am Straßenrand oder Lieblingstassen von Fraktionsvorsitzenden im hessischen Landtag. Ohne diese Schnappschüsse wäre unser Blog sicherlich nur halb so sehenswert.
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Rhein-Main-TV arbeitet extrem effizient.
Bei unserer ersten Begegnung mit einem RMTV-Team sind die Kollegen gerade abgezogen von einer Veranstaltung, als wir erst rein kamen, eine halbe Stunde vor offiziellen Beginn. Warum auch vier Stunden Zeit vertrödeln wenn man seine Bilder auch in 5 Minuten einfangen kann. Bei weiteren Veranstaltung fielen uns die Ein-Mann-Teams des kleinen Privatsenders auf: Kamera auf der Schulter, Mikrofon in der anderen Hand und die Fragen stellten die armen Kollegen auch noch selbst. Da waren wir doch froh, das Equipment zu dritt durch die Welt zu tragen und keinem Sparzwang dieser Art ausgesetzt zu sein.
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Auch ohne Kamera schindet man Eindruck.
Besuch bei einer Testwahl, die zwei Kreuzchenredakteure haben nur Stift und Block in der Hand. „Ach, Sie sind die Leute vom ZDF, nicht wahr?“ Fast.
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Sex really sells.
War ja eigentlich klar. Der Artikel „Nackte Tatsachen bei der Offenbacher SPD“ brachte uns einen wilkommen Besucherzuwachs und ist heute noch einer der beliebtesten. Kein Wunder, wer sich über den Pinup-Kalender „informieren“ wollte, landete automatisch auf unserer Seite. Denn wir waren damit bei Google auf dem ersten Platz gelistet. Übrigens auch mit den Themen „Fernsehduell“, „Stimmzettel“ und „Wenn soll ich wählen?“. Google mag offenbar Blogs, wir haben jedenfalls nicht wissentlich auf hohe Suchmaschinen-Rankings hingearbeitet.
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Susi rockt!
Das Statistikphänomen schlechthin. Unsere Redakteurin Susi Wegner führt permanent die Liste der beliebtesten Seiten an, noch vor allen Artikeln. Ihr da draußen werdet wissen warum. Autogrammwünsche werden gerne entgegengenommen.


# 1 |
Matthias Bastian sagte am 3. Februar 2008 um 19:00 Uhr:Gut geschnitten das Video, sehr nett.
# 2 |
Danyo sagte am 4. Februar 2008 um 13:30 Uhr:Wuhu, ich bin tatsächlich in den Credits aufgetaucht =)
Vielen Dank für die Blumen und Chapeau!
# 3 |
Axel sagte am 4. Februar 2008 um 23:31 Uhr:Wenn ihr nicht mit Ypsilanti-T-Shirts auf Fotos präsent gewesen wäret (Stichwort: journalistische Unabhängigkeit) hätte ich euch sogar noch eine gute Note für die ansonsten tolle Arbeit ausgestellt ;).
# 4 |
7an sagte am 6. Februar 2008 um 00:21 Uhr:das blog hat auf jeden fall einen guten eindruck gemacht. abwechslungsreiche themen, reichlich videos und ein tolles layout. mehr hätte man aus einem blog-projekt nicht rausholen können.
# 5 |
Matthias Bastian sagte am 6. Februar 2008 um 02:39 Uhr:@Axel
Das ist doch der Trick bei einem Blog – wir müssen nicht unabhängig sein.
# 6 |
Michael Abele sagte am 6. Februar 2008 um 14:41 Uhr:Ach, ich hätte auch nen Roland Koch-Schlafanzug angezogen, oder ne exklusive Westerwelle-Boxershort aber die andern Parteien haben sich ja standhaft geweigert uns was zu schicken…